Mobiles Menü

Das Krisenjahr 2020
– auch wir ziehen Bilanz

Anlässlich der Jahrespressekonferenz des Forum Fairer Handel (FFH) ziehen auch wir Bilanz eines ungewöhnlichen Jahres. Das Krisenjahr 2020 stellte uns als Genossenschaft, die Fair-Handels-Bewegung in Deutschland und vor allem unsere Partner*innen im Globalen Süden vor ungeahnte Herausforderungen. Wir stellen hier unsere Kernbotschaften vor und blicken in eine "neue" Zukunft. Hören sie dazu auch unseren Vorstand Thomas Hoyer im Radiobeitrag des Deutschlandfunks.

Gesamtumsatz des Fairen Handels in Deutschland von 2010 - 2020

In der letzten Dekade hat der Gesamtumsatz des Fairen Handels in Deutschland stetig zugenommen.

Erstmalig ist nun Corona-bedingt ein erster Rückgang zu verzeichnen.

Marktanteil Fair Trade Kaffee

Der Anteil von fair gehandelten Kaffee hat sich auf 6,4% erhöht.

Kaffee bleibt damit der Spitzenreiter der Fair Trade Produkte.

2000 Verbraucher*innen wurden befragt

Der Anteil der Befragten, die angeben Fair Trade Produkte zu kaufen, steigt kontinuierlich auf mittlerweile 71%

Ein positives Signal für die Zukunft.

Aktuelle Zahlen & Entwicklungen

Das FFH stellt jährlich auf seiner Pressekonferenz die aktuellen Zahlen und Entwicklungen im Fairen Handel vor. Sie können sich den ausführlichen Bericht auf der neuen Webseite des FFH durchlesen oder die Pressekonferenz im Videostream nachschauen. Wir wollen hier die - aus unserer Sicht - wichtigsten Punkte zusammenfassen.

1. Erstmaliger Umsatzrückgang im Fairen Handel
  • "Nach über einer Dekade im Aufwind ist der Umsatz mit fairen Produkten in Deutschland infolge der Corona-Pandemie erstmalig zurückgegangen. Doch die Fair-Handels-Bewegung ist es gewohnt, gegen den Strom zu schwimmen", schreibt das Forum Fairer Handel (FFH) in seiner Pressemitteilung.
  • Auch wir haben einen Umsatzrückgang von circa 2% im vergangenen Geschäftsjahr zu verzeichnen. Gründe hierfür sind vor allem die in Folge des Lockdowns leeren Innenstädte und die dadurch fehlende Kund*innen in den Weltläden sowie die zeitweise geschlossenen Weltläden.
  • Die Umsatzzahlen seit Juni 2021, seitdem die Infektionszahlen weitgehende Lockerungen zugelassen haben, stimmen uns jedoch positiv.
2. Die Corona-Pandemie
  • Die Corona-Krise verdeutlicht ein weiteres Mal die enorme Ungleichheit, der wir global gegenüberstehen. Während wir hier in Deutschland langsam wieder auf dem Weg in eine "neue" Normalität sind, kämpfen viele unserer Handelspartner*innen ums Überleben. Die Corona-Krise, genauso wie die Klimakatastrophe, trifft die Menschen im Globalen Süden besonders hart.
  • Die über 50 Jahre gewachsenen Strukturen des Fairen Handels erweisen sich als resilient und krisenfest. Die gelebte Solidarität, die von allen Akteuren des Fairen Handels in diesem Krisenjahr ausging, zeigt diese besondere Stärke der Fair-Handels-Bewegung.
  • Wir sind stolz auf die Kreativität, mit der Weltläden weiterhin ihre Kund*innen beliefert haben und gleichzeitig durch Aktionen wie der #fairwertsteuer finanzielle Mittel generiert haben, um unseren Partner*innen im Globalen Süden beizustehen. Auch wir konnten mit unserem Online-Shop und Weltladen in Ravensburg knapp 6000 € zu den insgesamt über 500.000 € beitragen.
  • Als importierende Genossenschaft haben wir keine Aufträge unserer Partner*innen storniert. Wir haben uns bewusst dazu entschieden unsere Lager zu füllen und im Voraus neue Bestellungen zu platzieren. So konnten wichtige Einkommen erhalten werden. Damit macht der Faire Handel eindeutig ein Unterschied: In Ländern wie den Philippinen und Peru, in denen die Pandemie die Armut dramatisch verschärft hat, konnten wir unsere Handelspartner*innen weiterhin unterstützen und vor dem Schlimmsten bewahren.
  • Wir konnten zudem über den Covid 19- Soforthilfefonds des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), durch Unterstützung des Staatsministerium Baden-Württemberg und organisationsübergreifende Spendenaufrufe 366.000€ beantragen und an unsere Handelspartner*innen weiterleiten.
3. Die politischen Forderungen des FFH
  • WeltPartner unterstützt als Gründungssorganisation des FFH die gemeinsam erstellten politischen Forderungen umfänglich. Damit stehen wir nicht allein da.
  • Arbeits- und Menschenrechte müssen entlang der globalen Lieferketten geschützt werden.
  • Soziale und ökologische Kriterien müssen der Standard sein und deren Einhaltung darf zu keinem (Markt-)Nachteil führen.
  • Es braucht ein Verbot von Dumpingpreisen. Unternehmen müssen ihren Lieferant*innen Preise zahlen, die die Produktionskosten inklusive existenzsichernder Löhne decken.
  • Das Lieferkettengesetz wurde kürzlich verabschiedet. Der Faire Handel konnte hier als Best Practice Beispiel erfolgreich dienen. Der gemeinsame Einsatz  hat sich, auch wenn das Gesetz hinter unseren Erwartungen zurückbleibt, gelohnt. Auf Europäischer Ebene soll nun ebenfalls über ein solches Vorhaben verhandelt werden - voraussichtlich wird die Europäische Verordnung strikter sein, was wir sehr begrüßen.
4. Die Verbraucherbefragung
  • Die Verbraucherbefragung ergab, dass ein Großteil der Befragten hinter diesen politischen Forderungen steht und bestätigt außerdem die positive Tendenz in der öffentlichen Wahrnehmung der letzten Jahre.
  • Das Grundverständnis für den Fairen Handel wächst weiter.
  • Mehr und mehr Befragte geben an, fair gehandelte Produkte zu kaufen.

Uns stimmt mehr als nachdenklich, dass die Supermärkte und Discounter auf der einen Seite durch die Pandemie extreme Umsatzsteigerungen und Gewinne zu verzeichnen haben. Gleichzeitig jedoch der (Umsatz-)Anteil der fair gehandelten Produkte in den Supermärkten und Discountern zurückgeht und durch extremen Preiskampf und Dumpingpreise die Produzierenden am Anfang der Lieferkette geschwächt werden. Umso wichtiger ist und bleibt der Einsatz der Weltläden und Fair-Handels-Organisationen, die zu 100% fair arbeiten.

Zum Nachschlagen, -hören & -schauen

Mit Ihrem Kauf unsere Handelspartner*innen langfristig unterstützen


Unsere Zertifikate & Mitgliedschaften: